Vollakademisierung versus Teilakademisierung der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie

Vertreterinnen der Regierungsparteien SPD und Grüne äußern sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion positiv zu einer vollständigen hochschulischen Ausbildung im Rahmen der anstehenden Reform der Berufsgesetze in den Therapieberufen:

Das Thema Akademisierung der Gesundheitsberufe ist ein Dauerbrenner. Die Ausbildung von Ergotherapeut*innen, Logopäd*innen und Physiotherapeut*innen ist fast überall in der Welt ausschließlich hochschulisch – Deutschland hinkt den internationalen Standards deutlich hinterher. Nun bahnt sich aber eine Entscheidung pro Vollakademisierung der Ausbildung der Physiotherapeut*innen an: Das Bundesministerium für Gesundheit hat Eckpunkte für eine Reform der Berufsgesetze der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie vorgelegt und bereits zwei Verbändeanhörungen zu den Berufen in der Physiotherapie durchgeführt.

In der Online-Podiumsdiskussion „Vollakademisierung vs. Teilakademisierung – Für die optimale Patientenversorgung durch Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie“ am 07. Oktober 2022 wurden vor 450 Teilnehmer*innen die Vor- und Nachteile einer Vollakademisierung abgewogen. Veranstalter waren der Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e.V. und das Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen.

Auf dem Podium diskutierten die Gesundheitspolitikerinnen

  • Bettina Müller, Mitglied der AG Gesundheit der SPD im Bundestag und
  • Saskia Weishaupt, Obfrau in der AG Gesundheit und Pflege von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestags

sowie

  • Andreas Pust, Vorsitzender VLL-Verband Leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie Deutschland und Sprecher des VAST-Verbunds für die Ausbildung und das Studium in den Therapieberufen.

Expert*innen des Wissenschaftsrats (WR), der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), des Hochschulverbunds Gesundheitsfachberufe (HVG), des Studierendennetzwerks HochschuleJetzt!, des Aphasie Landesverbands Berlin e.V. und des Bündnisses Therapiefachberufe an die Hochschulen brachten Impulse in die Diskussion ein. Stefan Albani, Obmann der AG Bildung und Forschung der CDU/CSU musste seine Teilnahme krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

Begriffsklärung

Zu Beginn erfolgte eine kurze Klärung der Begriffe durch den Moderator, Martin von Berswordt-Wallrabe. Unter Vollakademisierung ist eine ausschließlich hochschulische Berufsqualifikation zu verstehen, so wie sie international üblich ist. Teilakademisierung hingegen kann zwei Bedeutungen haben. Bislang wurde unter einer Teilakademisierung die anteilige Akademisierung eines Berufs verstanden – hochschulische und fachschulische Ausbildung als Parallelangebote. Neu in die Diskussion gekommen ist durch das Bundesministerium für Gesundheit das Verständnis der Teilakademisierung eines Berufsfelds, das verwandte Berufe umfasst, also im Fall der Physiotherapie eine vollständige Akademisierung der Ausbildung zur Physiotherapeut*in unter (reformierter) Beibehaltung eines berufsfachschulisch auszubildenden Berufs der Masseur*innen und medizinischen Bademeister*innen.

Im Kontext der Podiumsdiskussion standen Pro und Contra einer vollständigen Akademisierung der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie im Mittelpunkt.

Versorgungsqualität

Prof. Uta Gaidys, Mitglied des Wissenschaftsrates (WR) referierte dessen Erkenntnisstand zur Akademisierung der Gesundheitsfachberufe. Die Herausforderungen der heutigen Zeit bestehen in den individuelleren Anforderungen an die Gesundheitsversorgung, in der technischen Entwicklung, der Ambulantisierung und Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Nicht zuletzt stellt der demografische Wandel eine Herausforderung für den gesamten Gesundheitssektor dar. Die Menschen werden immer älter und mit den steigenden Lebensjahren nimmt auch die Zahl der Patient*innen zu, die mit chronischen Krankheiten leben und eine therapeutische Versorgung erhalten müssen. Die verkürzten Krankenhausaufenthalte erfordern mehr therapeutische Nachsorge und einen stärkeren Ausbau der ambulanten Versorgung. Damit einher geht die Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Anzustreben ist, die bestmögliche Versorgung mit möglichst geringem Mitteleinsatz zu erreichen.

Prof. Gaidys verwies darauf, dass der Wissenschaftsrat im Jahre 2012  Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen der Gesundheitsberufe herausgegeben hat. Damals empfahl der WR, dass 10 bis 20 Prozent der Ausbildungsabsolvent*innen einen akademischen Abschluss erlangen sollten. Nach aktuellem Stand sind in der Logopädie etwa ein Drittel der Berufsangehörigen akademisch ausgebildet, in der Physiotherapie etwa 16 Prozent und in der Ergotherapie nur 3 Prozent.

Abschließend wies die Professorin auf die Potenziale der Ausbildung an Hochschulen hin. Die hochschulische Ausbildung fördert eine wissenschaftsbasierte und leitlinienkonforme therapeutische Praxis. Eine evidenzbasierte Therapie erlaubt den Verzicht auf Maßnahmen, deren Wirksamkeit nicht belegt ist. An Hochschulen werden die angehenden Therapeut*innen zur Entscheidungsautonomie bis hin zum Direktzugang geführt und befähigt, erweiterte Kompetenzen und innovative Aufgaben zu übernehmen. Nicht zuletzt ermöglicht die Ansiedelung der Ausbildung an Hochschulen, dass sich eine auf die eigene Disziplin bezogene Forschung etabliert.

Die Abgeordneten Saskia Weishaupt (Grüne) und Bettina Müller (SPD) wiesen zunächst ausdrücklich darauf hin, dass ihre Parteien die Akademisierung in Form einer Vollakademisierung der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie befürworten. Frau Weishaupt hob in diesem Zusammenhang die zunehmende Komplexität der Gesundheitsversorgung, insbesondere auch der Heilmittelerbringung hervor: „Diese verantwortungsvollen Aufgaben brauchen eine hochschulische Qualifikation. Sonst könnte man ja auch Ärzt*innen ohne Studium ausbilden.“  Hier eröffneten sich neue Aufgabenbereiche und die Möglichkeit zu mehr Eigenständigkeit für die Therapeut*innen. Beide Politikerinnen betonten, dass die Forderung nach Akademisierung nicht die Arbeitsleistungen der berufsfachschulisch qualifizierten Therapeut*innen in Frage stellen dürfe. Im Gegenteil, ihre Arbeit sei auch in Zukunft wertvoll. Alle Berufsangehörigen müssten in dem anstehenden Transformationsprozess – der noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird – mitgenommen werden.

André Laqua, Vorsitzender des Aphasie Landesverbands Berlin und selbst Betroffener, betonte, dass eine fundierte und spezialisierte Ausbildung und die intensive Beschäftigung mit aktuellen Entwicklungen in der Aphasie-Therapie für den Therapieerfolg unerlässlich sind.

Andreas Pust, selbst leitende Lehrkraft an einer Berufsfachschule für Physiotherapie, wies auf die Schwächen des derzeitigen schulischen Ausbildungssystems hin. „Die aktuellen Rahmenbedingungen der fachschulischen Ausbildung limitieren die Kompetenzentwicklung.“ Anders als die hochschulische sei die fachschulische Ausbildung nicht darauf angelegt, Selbstständigkeit im Lernen und Arbeiten zu vermitteln. Dies münde in der bekannten Weisungsgebundenheit der Therapeut*innen und den hierarchischen Strukturen in ihrer Arbeitswelt. Damit solle die Arbeit der aktuell Berufstätigen nicht schlecht geredet werden, aber die Entwicklungen im Gesundheitswesen verlangten eine ständige Anpassung, so Pust.

Versorgungsquantität

Neben der Qualität der Heilmittelversorgung ist auch die Sicherung einer ausreichenden Anzahl qualifizierter Therapeut*innen ein zentraler Aspekt des Reformprozesses. Hierzu verlas der Moderator eine Frage aus dem Teilnehmerkreis: Ob Schüler*innen mit Mittlerem Schulabschluss (MSA) durch die Akademisierung nicht von den Therapieberufen ausgeschlossen würden und sich der Fachkräftemangel dadurch weiter verschärfe?

Diese Befürchtung wurde von den Diskussionsteilnehmer*innen nicht geteilt. Die studentische Vertreterin von HochschuleJetzt!, Annika Oberließen, betonte, dass selbständiges Denken und Handeln grundlegend für die therapeutische Tätigkeit sein und im Studium gefördert würde. Viele Interessierte wollten daher studieren. Frau Weishaupt (Grüne) wies auf die Vielzahl der Gesundheitsberufe hin, die mit einem MSA erlernt werden können und betonte, wie richtig und wichtig die Durchlässigkeit des Bildungssystems sei. Frau Müller, die in den vergangenen Jahren als SPD-Abgeordnete intensiv an der Reform der Pflegeausbildung beteiligt war, hob hervor, wie wichtig die Attraktivitätssteigerung der Therapieberufe für die Nachwuchssicherung sei. Dazu gehöre auch die Diskussion um den Direktzugang. Angesichts der sinkenden Zahl von Fachärzt*innen  auf dem Land, sei der Direktzugang nötig, um die Versorgung in der Fläche sicherzustellen.

Andreas Pust wies daraufhin, dass schon jetzt ein hoher Anteil der Ausbildungsbewerber*innen über eine Hochschulzugangsberechtigung verfüge: „Es gibt ein großes Potenzial an Bewerberinnen und Bewerbern. Dies haben unsere Nachbarländer eindrucksvoll gezeigt.“

Bettina Müller (SPD) führte abschließend die horizontale und vertikale Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems an. „Viele aktuelle Physiotherapeut*innen kennen die Zwischenstation über den Masseur und Medizinischen Bademeister noch.“

Frau Weishaupt (Grüne) machte abschließend noch einmal deutlich, dass es keine Verdrängung der bisher fachschulisch ausgebildeten Therapeut*innen geben würde. „Wir brauchen jede Hand im Gesundheitswesen“. Der Akademisierungsprozess brauche viel Zeit, die beabsichtigte Bildungsreform beträfe daher die nächsten Generationen.

Zeitlicher Ablauf

Als Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) fasste Prof. Stefan Herzig die zwiespältige Situation so zusammen: einerseits herrsche in der Szene eine große Ungeduld, andererseits ist mit einem langfristigen Transformationsprozess bis zur Vollakademisierung zu rechnen. Er kritisierte, dass bisher kein Zeitplan für die Akademisierung der Gesundheitsberufe aufgestellt wurde. Eine Roadmap mit zeitlichen und inhaltlichen Meilensteinen werde dringend benötigt.

Frau Müller (SPD) wies als Mitwirkende bei der mittlerweile umgesetzten Vollakademisierung der Hebammen und der Teilakademisierung der Pflegekräfte darauf hin, dass die Länder drei Jahre gebraucht haben, um die Hebammenstudiengänge aufzubauen. Sie betonte, dass man bei den Heilmittelerbringer*innen nicht die gleichen Fehler machen dürfe, wie sie sich im Nachhinein z.T. bei den Hebammen und Pflegekräften gezeigt hätten. Es sei darauf zu achten, dass ein ausreichend großes Angebot an qualifizierten Lehrkräften an den Hochschulen für eine Vollakademisierung zur Verfügung stehe. Es fehle derzeit noch an Masterabsolvent*innen und Professor*innen. Schätzungsweise sei ein Zeitraum von 10 bis 15 Jahren bis zur vollständig hochschulischen Ausbildung in den Therapieberufen notwendig. Zwischenzeitlich müsse das zweigleisige, also auch das fachschulische Bildungsangebot bestehen bleiben. Die Entwicklung hin zur Vollakademisierung wäre zweistufig denkbar, in einem ersten Schritt könne, in einem zweiten müsse die Ausbildung akademisch sein, so Frau Müller.

Ausgestaltung der Studiengänge

Prof. Stefan Herzig von der Hochschulrektorenkonferenz betonte, dass die Hochschulen für die Akademisierung der Therapieausbildung gut gerüstet seien; die Studienabsolvent*innen seien „marktfähig und -willig“. Befragungen von Studienabsolvent*innen und Arbeitgeber*innen hätten gezeigt, dass die in der Berufspraxis geforderten Kompetenzen im Studium erworben werden und dass nahezu alle Studienabsolvent*innen in der Patientenversorgung tätig werden. An den Hochschulen bestehe die Möglichkeit des Kompetenzerwerbs auf innovativen Feldern, man denke an die Digitalisierung und die interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen.

Als weiteren Vorteil der Akademisierung hob Saskia Weishaupt (Grüne) hervor, dass im Rahmen der hochschulischen Ausbildung eine Vereinheitlichung der Ausbildungsmöglichkeiten zustande kommen könne. Bei einer Teilakademisierung wäre es weiterhin für Interessent*innen undurchsichtig, wo fachschulisch ausgebildet wird, (zusätzlich der regionalen Unterschiede von Schulgeld und Ausbildungsvergütung) und wo hochschulisch ausgebildet wird. Auch für Patient*innen sind verschiedenen Abschlüsse, die an die gleiche Berufsbezeichnung geknüpft sind undurchsichtig. Eine Vollakademisierung würde hier Klarheit schaffen, welchen Weg man geht, um den Therapie Beruf zu Ergreifen und was ich als Patient*in von meinen Therapeut*innen erwarten kann.

Finanzierung der Ausbildung

Hierzu bemerkte Andreas Pust zunächst, dass die Attraktivität der Ausbildung durch die Ausbildungsvergütung nicht deutlich gesteigert werden konnte. Seiner Einschätzung nach sei von der Akademisierung der Therapieberufe und einer Kompetenzerweiterung in der Praxis mehr Attraktivität für die Berufe zu erwarten.

Zu den Kosten der fachschulischen und der hochschulischen Ausbildung hat Prof. Bernhard Borgetto, 1. Vorsitzender des Hochschulverbunds Gesundheitsfachberufe und Sprecher der Bündnisses Therapieberufe an die Hochschulen, recherchiert. Zu den Kosten der BFS-Ausbildung liegen Zahlen einer Umfrage des Deutschen Krankenhaus-Instituts (DKI) vor, zu den Kosten der HS-Ausbildung Einschätzungen von Expert*innen aus Hochschulen mit PQ-Studiengängen. Danach sind keine erheblichen Unterschiede in den Kosten eines Ausbildungs- bzw. Studienplatzes zu erwarten. Dadurch, dass an den Hochschulen die Ausbildung z.T. interdisziplinär und nicht – wie an den Fachschulen – durchgängig monodisziplinär erfolgt, seien Personal- und Kosteneinsparungen möglich, während die Sachkosten vergleichbar seien.

Prof. Borgetto äußerte sich auch zu der Zahl der für die Vollakademisierung benötigten Therapie-Studiengänge. Es müssten insgesamt 124 neue Studiengänge entstehen, in der genannten Übergangszeit von 10-15 Jahren entspräche dies der Neuschaffung eines neuen Studiengangs pro Bundesland innerhalb von zwei Jahren.

Aus dem Publikum wurde  die Frage nach einer Ausbildungsvergütung für die Studierenden eingebracht. Prof. Borgetto verwies darauf, dass diese hohe Kosten verursachen würde und für Studiengänge weder notwendig noch üblich seien. Die Kosten beliefen sich lt. Deutschem Krankenhaus-Institut auf etwa eine Milliarde Euro jährlich. Die Finanzierung läge dann in der Zuständigkeit der Krankenkassen. Bettina Müller (SPD) verwies hierzu auf die Form des Dualen Studiums bei den Hebammen: „Für eine Ausbildungsvergütung wäre das die beste Lösung.“

Saskia Weishaupt (Grüne) forderte, dass Bildung für die Auszubildenden bzw. Studierenden kostenfrei sein müsse. Die Ausgestaltung der Studiengänge für Gesundheitsfachberufe müsse insofern denen anderer Berufsgruppen gleichen. Ein elternunabhängiges BAföG und die Möglichkeit des Jobbens neben dem Studium müssen gegeben sein. Das typische Fachschulsystem mit seiner Präsenzpflicht mache dies unmöglich.

Fazit

Andreas Pust fasste in der Abschlussrunde das Kernproblem einer Teilakademisierung wie folgt zusammen: „Die Teilakademisierung spaltet den Markt. Patienten werden verunsichert, wer denn der kompetentere Behandler wäre. Ebenso entstehen hohe Kosten durch die zweigleisige Strategie.“ Bei einer rein hochschulischen Ausbildung würden u.a. auch die Ausbildungskosten der Berufsfachschulen für die Länder entfallen. Die Politik müsse das Ziel der Vollakademisierung jetzt konsequent in Angriff nehmen. An den Berufsfachschulen sei ein Potenzial an Lehrenden vorhanden, das im Transformationsprozess genutzt werden kann.

Bettina Müller (SPD) sieht in der Vollakademierung den einzigen Weg, die Forderungen des Wissenschaftsrates zu erfüllen; eine Teilakademisierung würde die Zielerreichung um Jahrzehnte verzögern. Mit Blick auf die Fehlentwicklungen in der Pflege wäre die Form eines dualen Studiums mit Ausbildungsvergütung empfehlenswert, um das Studium attraktiv zu gestalten.

Prof. Borgetto wies auf die Nachteile der mit einer Ausbildungsvergütung verbundenen Ausbildungsverträge hin: „Die Hochschulen dürfen nicht nur auf dem Papier die Gesamtverantwortung für das Studium haben, sie müssen auch faktisch den Einfluss haben, praktische und theoretische Ausbildung miteinander angemessen zu verzahnen und die Studierenden selbst auszuwählen. Zudem stellte er noch einmal die Machbarkeit der Vollakademisierung bei einem angemessenen Transformationszeitraum in den Vordergrund.

Saskia Weishaupt (Grüne) betonte abschließend erneut, dass alle Berufsangehörigen in dem anstehenden Transformationsprozess mitgenommen werden müssten. Da der Prozess viele Jahre dauern wird, sei eine Reform der berufsfachschulischen Ausbildung noch vor der Umstellung auf die Vollakademisierung notwendig. „Wenn wir die Qualität der Ausbildung und die Perspektiven für die jungen Therapeut*innen verbessern wollen, müssen wir die Finanzierung der Studiengänge ermöglichen“, so die Vertreterin der Grünen.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse!

 

 

 

 

 

Veranstaltungsbericht: Empowerment für die Promotion in den Therapiewissenschaften

Am 11.10.2021 veranstalteten die Fachkommission (FK) Forschung des Hochschulverbundes Gesundheitsfachberufe (HVG) und der Verein zur Förderung der Wissenschaft in den Gesundheitsberufen (VFWG) per Zoom ein Kick‐off‐Meeting, um zu erfahren, welche Unterstützungsbedarfe junge Wissenschaftler*innen vor und während einer Promotion in den Therapieberufen Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie haben. Die Veranstaltung knüpft an die Tradition von Tagungen zu dem Thema an, die der HVG mit unterstützt hat: 2011 in Halle‐Wittenberg und 2014 in Berlin. Die hohe Teilnahmezahl von fast 100 Interessierten zeigt, dass dies ein bedeutendes Thema für den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Zukunft der Therapieberufe ist.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

HVG-Fachtagung „Organisation und Finanzierung der praktischen Ausbildung in den Therapiestudiengängen (PQS) – was können wir von anderen Gesundheitsberufen lernen?“

Am Freitag, 11.6.2021 fand von 9.00 bis 12.00 Uhr die diesjährige HVG-Fachtagung mit dem TitelOrganisation und Finanzierung der praktischen Ausbildung in den Therapiestudiengängen (PQS) – was können wir von anderen Gesundheitsberufen lernen?“ online statt.

Das Tagungsprogramm finden Sie hier.

Den Vortrag von Prof. Dr. Jutta Räbiger: Qualitätsanforderungen und Modelle der praktischen Ausbildung mit Patient*innen in primärqualifizierenden Therapiestudiengängen finden Sie hier.

Den Vortrag von Prof. Dr. Markus Zimmermann: Organisation und Finanzierung der praktischen Ausbildung in den Therapiestudiengängen (PQS) –was können wir von
anderen Gesundheitsberufen lernen? Beispiel Pflege Modell B finden Sie hier.

Den Vortrag von Prof. Dr. D. Tegethoff, Prof. Dr. M. Grieshop: Das Studium von Hebammen finden Sie hier.

Den Vortrag von Prof. Dr. Gekle: Organisation und Finanzierung der praktischen Ausbildung finden Sie hier.

HVG-Fachtagung „Die praktische hochschulische Ausbildung in den Therapieberufen: Ziele, Gestaltung und Übergang von Berufsfachschule zur Hochschule“

Am 07. Juni 2019 fand an der Hochschule Fulda die diesjährige Mitgliederversammlung des HVG statt. Vorgeschaltet war eine Tagung mit Fachvorträgen und anschließender Diskussion, die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten.

2019 ist das Jahr, in dem die seit langem angemahnte Reform der Berufsgesetze politisch vorbereitet wird. Der Erwerb von fachpraktischen Kompetenzen ist ein wichtiger Bestandteil der hochschulischen Ausbildung. Die Vorträge auf der Fachtagung nahmen deshalb hauptsächlich drei Fragestellungen in den Blick:

  1. Welche Ziele verfolgt die praktische hochschulische Ausbildung?
  2. Wie soll die praktische hochschulische Ausbildung gestaltet sein? Z.B. im Hinblick auf Lernorte, Theorie-Praxis Verzahnung, Anleitung, Begleitung
  3. Was ist in der Übergangsphase von schulischer zu hochschulischer Ausbildung nötig, um die Ziele der praktischen Ausbildung zu erreichen?
Dr. Hazel Roddam PhD, RegMRCSLT, Reader in Allied Health Practice at University of Central Lancashire (UCLan), UK
Dr. Hazel Roddam PhD wurde per Skype live zur Fachtagung zugeschaltet

Einführend fasste Prof. Dr. Mieke Wasner, langjähriges Vorstandsmitglied des HVG, die zentralen Positionen des HVG zur hochschulischen Praxisausbildung zusammen: „Primärqualifizierende Studiengänge bilden in erster Linie berufspraktisch tätige Therapeutinnen und Therapeuten aus. Die patientenorientierte, praktische Ausbildung steht im Mittelpunkt des Studiums.“ Ziel der hochschulischen Ausbildung ist nicht eine leitenden oder spezialisierte Tätigkeit, sondern die Befähigung zur wissenschaftsbasierten und praxisorientierten Arbeit, um eine möglichst evidenzbasierte, individualisierte, klienten- und nutzerzentrierte Versorgung zu ermöglichen.

Den ersten Vortrag: “Professional education standards and frameworks for developing clinical competences across the allied health disciplines in UK”, der vorab für die Fachtagung aufgezeichnet wurde, hielt Dr. Hazel Roddam PhD, RegMRCSLT, Reader in Allied Health Practice at University of Central Lancashire (UCLan), UK. Sie vermittelte einen Einblick in die Ausbildungsstandards und ihre Qualitätssicherung am Beispiel der seit vielen Jahren etablierten akademischen Praxisausbildung in Großbritannien. Anschließend hatten die Teilnehmer*innen per Live-Schaltung die Gelegenheit, der Referentin persönlich Fragen zu stellen.

Ovesiek
Christina Ovesiek, Projektgruppe DVE schilderte in ihrem Vortrag die Erfordernisse und Entwürfe zur Reform der Berufsgesetze in Deutschland aus Sicht des DVE

Die Erfordernisse und Entwürfe zur aktuellen Reform der Berufsgesetze – mit besonderer Berücksichtigung der Ziele und Gestaltung der praktischen hochschulischen Ausbildung wurden aus Sicht der Verbände anschließend von

  1. Christina Ovesiek (Projektgruppe DVE) aus Sicht der Ergotherapie,
  2. Marietta Handgraaf (SHV Fachgruppe Physiotherapie) aus Sicht der Physiotherapie,
  3. Dietlinde Schrey-Dern (AK Berufsgesetz) aus Sicht der Logopädie, dargestellt.

Nach der intensiven Diskussion führten Prof. Dr. Hilke Hansen (HVG Vorstand) und Prof. Dr. Mieke Wasner (HVG Vorstand) die Ergebnisse zu einem Ausblick zusammen. Einig waren sich die Diskutant*innen, dass die Vollakademisierung über alle Berufsgruppen hinweg gefordert wird und primärqualifizierende Studiengänge, die unter alleiniger Verantwortung der Hochschulen stehen, dualen Studiengängen vorzuziehen sind.

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Zusammenfassung der Disskusionsergebnisse

Auf der anschließenden Mitgliederversammlung wurde bekräftigt, dass die einhellige und in zahlreichen Papieren gut begründete Forderung der Therapieberufe und ihrer verbandlichen Vertretungen nach einer Vollakademisierung und einer klaren Absage an eine Teilakademisierung durch eine Kampagne an die Politik und an die Öffentlichkeit herangetragen werden muss. Von besondere Bedeutung ist dabei die Vermittlung der grundlegend klinischen Ausrichtung der hochschulischen Ausbildung. Prof. Dr. Bernhard Borgetto, 1. Vorsitzender des HVG fasste die Diskussion folgendermaßen zusammen: „Die Vorurteile, die einer hochschulischen Ausbildung der Therapieberufe gegenüber noch immer bestehen, müssen ausgeräumt werden, damit die anstehenden Entscheidungen nicht auf falschen Grundlagen getroffen werden. Niemand würde einem Arzt oder einer Ärztin Patienten- und Praxisferne vorwerfen, weil er oder sie an einer Universität ausgebildet wurde. Aber bei den Therapieberufen hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass eine hochschulische Ausbildung nicht zur Therapie mit Patienten qualifiziert.“  Die HVG-Mitglieder sprachen sich mehrheitlich dafür aus, HVG-eigene Finanzmittel einzusetzen und gemeinsam mit  den Berufs- und Schulverbänden die politische Meinungsbildung zur Akademisierung der Therapieberufe bis zum Ende diesen Jahres öffentlichkeitswirksam zu begleiten und Vorurteilen entschieden entgegenzutreten.

Download Programm Fachtagung 

Download Vortrag als PPP Dr. Hazel Roddam

Download Vortrag Christina Ovesiek

Download Vortrag Marietta Handgraaf

Download Vortrag Dietlinde Schrey-Dern

Download HVG-Pressemitteilung Vollakademisierung der Therapieberufe jetzt!

Download FBTT-Pressemitteilung Fachbereichstag Therapiewissenschaften fordert kluge Entscheidungen der Politik für zukunftsfähige Ausbildungsreform in den Therapieberufen

Fachtagung „Was folgt nach dem Hochschulabschluss? – Ergebnisse von Absolventen-, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbefragungen in den Therapieberufen“ des Hochschulverbunds Gesundheitsfachberufe

Am 08. Juni 2018 fand an der Universität zu Lübeck die diesjährige Mitgliederversammlung des HVG statt. Vorgeschaltet war eine Tagung mit Fachvorträgen und anschließender Podiumsdiskussion, die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten.

Prof.in Dr. Kerstin Lüdtke, Studiengangsleitung des Bachelorstudiengangs Physiotherapie an der Universität zu Lübeck
Prof.in Dr. Kerstin Lüdtke, Studiengangsleitung des Bachelorstudiengangs Physiotherapie an der Universität zu Lübeck

Prof.in Dr. Kerstin Lüdtke, Studiengangsleitung des Bachelorstudiengangs Physiotherapie an der Universität zu Lübeck, eröffnete die Fachtagung mit einem Grußwort. Prof.in Dr. Norina Lauer (Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg) begrüßte als 1. Vorsitzende HVG ebenfalls das Publikum. In den anschließenden Impulsvorträgen stellte Joachim Rottenecker (VDES-Geschäftsführer, VAST-Sprecher) eine Analyse der aktuellen Beschäftigungs- und Bildungssituation in den Therapieberufen vor, Prof.in Dr. Jutta Räbiger (Vorstand HVG) – referierte über die ersten Ergebnisse der HVG-Absolventenbefragung, Prof. Dr. Sven Dieterich (Hochschule für Gesundheit Bochum) – stellte die Konzeption und den aktuellen Stand der Verbleibstudie der Absolventinnen und Absolventen in Nordrhein-Westfalen (VAMOS) vor und Prof.in Dr. Sabine Hammer (Hochschule Fresenius Idstein) –  erörterte an Hand der „Ich bin dann mal weg“ -Studien Gründe für den Ausstieg aus den Therapieberufen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich Maria Schomberg (Physiotherapeutin M.Sc., Wissenschaftliche Mitarbeiterin SRH Hochschule Heidelberg), Rolf Keppeler (Direktor der Therapiebereiche, BG Klinikum Hamburg) und Ferdinand Bergamo (Physiotherapeut B.Sc., Zuyd University of Applied Sciences, RWTH Aachen) den Fragen der Moderatorinnen (Prof.in Dr. Mieke Wasner, SRH Hochschule Heidelberg und Prof.in Dr. Hilke Hansen, Hochschule Osnabrück; beide im Vorstand des HVG). So mangelt es in der Praxis bisher an der Anerkennung akademisch qualifizierter Therapeut/‑innen, sowohl in Bezug auf die Vergütung als auch in Bezug auf die möglichen Einsatzfelder. Oftmals fehlt in der Praxis die Zeit, evidenzbasiert und leitliniengerecht zu arbeiten. Die Diskrepanz zwischen Handlungsempfehlungen gemäß Leitlinien und Vorgaben auf den ärztlichen Verordnungen stellen die Therapeut/-innen ebenfalls vor Herausforderungen. Die Arbeitgeber/-innen wiederum sind bisher nur unzureichend über die Kompetenzen akademischer Qualifizierter informiert. Die Hochschulen sind aufgefordert, entsprechende Kompetenzen zu beschreiben, damit die Absolvent/-innen entsprechend ihrer Fähigkeiten eingesetzt werden können.

Pausenbild III

Download Programm HVG Fachtagung

Download Vortrag Prof. Dr. Jutta Räbiger und Christine Blümke ASH Berlin

Download Vortrag Joachim Rottenecker VDES, VAST

Download Vortrag Prof. Dr. Dieterich hsg Bochum

Download Vortrag Prof. Dr. Sabine Hammer Fachhochschule Fresenius

Einig waren sich die Diskutant/-innen und das Auditorium, dass der interprofessionellen Zusammenarbeit auf Grund des demographischen Wandels und der Zunahme der Mulitmorbidität zukünftig eine noch größere Bedeutung im Rahmen der Gesundheitsversorgung zukommt und sie deshalb in den Curricula  therapeutischer Studiengänge verankert werden sollte.

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Ergebnisse der Podiumsdiskussion

Bei der anschließenden Mitgliederversammlung stellte der Vorstand seinen Tätigkeitsbericht vor und erläuterte, dass die Zusammenarbeit des HVG mit Berufs- und Fachschulverbänden weiter ausgebaut wurde. So wurde u. a. das Positionspapier zur hochschulischen Ausbildung gemeinsam mit den therapeutischen Berufsverbänden überarbeitet und aktuell verfassen der HVG und VAST (Verbund für Studium und Lehre in den Therapieberufen) ein Strategiepapier zur hochschulischen Ausbildung. Das Jahr 2017/18 war geprägt von den Evaluationen der Modellstudiengänge. So wurde die HVG-Absolventenbefragung durchgeführt und der HVG beteiligt sich am Fachbeirat in Nordrhein-Westfalen zur Evaluation der dortigen Modellstudiengänge. Auf der Mitgliederversammlung wurde die Stellungnahme „Empfehlungen des HVG e.V. für die Gestaltung primärqualifizierender Studiengänge für Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie im Rahmen von Modellvorhaben“ mit den Mitgliedern diskutiert und die Einfügung eines Passus zur Qualifizierung für den Direktzugang beschlossen. Turnusgemäß wurde dieses Jahr ein neuer Vorstand für den HVG gewählt. Die bisherige erste Vorsitzende Prof.in Dr. Lauer (OTH Regensburg) sowie Dr. Andrea Warnke (PH Freiburg) stellen sich nicht erneut zur Wahl und scheiden aus ihren Ämtern. Die Mitgliederversammlung dankt beiden sehr herzlich für das Engagement. Die Mitgliedshochschulen wählen Prof. Dr. Bernhard Borgetto (HAWK Hildesheim) zum neuen ersten Vorsitzenden sowie Prof.in Dr. Andrea Pfingsten (OTH Regensburg) und Prof.in Dr. Hilke Hansen (HS Osnabrück) als zweite Vorsitzende. Den erweiterten Vorstand bilden zukünftig Prof.in Dr. Mieke Wasner sowie Prof.in Dr. Jutta Räbiger. Die Teilnehmenden der Mitgliederversammlung gratulierten dem neuen Vorstand herzlich und wünschten eine produktive Schaffensperiode.

Einen weiterführenden Artikel zur Fachtagung finden Sie hier in der pt_Zeitschrift für Physiotherapeuten.